Bannwald Viernheim (Staatswald) Abt.122 Einschlag mit Höhlenbuchenfällung und zu wenig gesprühten H-Bäumen

FSC zertifizierter Hessen-Forst Staatswald mit zu wenigen markierten Biotopbäumen (H-Bäume).
Auf zu dichtem Rückengassennetz wurden auf 10 ha Buchenwaldfläche diverse Buchen aller Altersklassen eingeschlagen, auch wertvolle Nachwuchsbuchen.
Und das zur ungünstigsten Regenzeit, siehe dokumentierte Rückegassenschäden auf 23% (!) Befahrungsfläche hier:
https://waldreport.de/waldschadensmeldung/holzernte-schaeden/bannwald-viernheim-staatswald-abt122-zu-grosse

Im Bannwald war/ist prima Buchenwald auf Dünengelände. Mit ein paar Altkiefern drin. Der gesamte Bannwald östlich der L3111 war früher so. Buchen wachsen nämlich prima auch im Dünengelände.
Mittlerweile hat Hessen-Forst Lampertheim aber schon ca. 1/3 dort in Kiefernmonokultur umgewandelt, siehe Abteilung südlich angrenzend der 122.
Da habe ich noch Fotos, wo das Forstamt Kiefern unter Buchenschirm anbauten. Weil unter Buchen keine Späte Traubenkirschen wachsen.
Und als die elenden Kiefern dann größer wurden und mehr Licht brauchten, haute man die gesunden Buchen für Brennholz um.
https://www.youtube.com/watch?v=Nw9rFgA9Rfo

Dort im Bannwald wird (wie auch im benachbarten FFH Reliktwald üblich) in Salamitaktik der Buchenwald alle Jahre sukzessive durch Bucheneinschlag aufgelichtet. Und zwar solange, bis die Restbuchen dann durch Sonne etc. geschädigt und krank werden, bis der Boden austrocknet und Erosion folgt.
Dann verkündet das Forstamt „die Buchen werden hier nichts, haben keine Zukunft mehr“ ...und pflanzt noch mehr Kiefern, Douglasien etc.

Noch ist in Abt.122 mehr an Rotbuchen übrig als eingeschlagen wurde.
Aber jede Kronenauflichtung ist Gift in unserem Dünengebiet, vor allem im Buchenwald, der eine geschlossenen Kronendecke braucht.
Gefällt wurden auch diesmal wieder hauptsächlich Buchen, aber auch einige Altkiefern.

Das Forstamt Lampertheim wurde (erstaunlicherweise) Anfang 2016 FSC zertifiziert, per Hessen-Forst Gruppenzertifizierung.

Eine FSC Standardregel besagt, dass 10 geeignete Biotopbäume (H-Bäume) pro ha für Tiere vorgesehen werden sollen.
Allerdings drängt FSC nicht gerade bei FSC Audits auf solche naturschutzrelevanten FSC Regeleinhaltungen. Denn die Regel ist wachsweich formuliert mit "ist anzustreben"....
Unser Forstamt strebt also 10 H-Bäume pro ha sicher auch die nächsten Jahre noch an, ohne sie zu erreichen (wollen)

Was ist ein H-Baum?
Biotop- oder Habitatbäume sind solche, die besondere Lebensräume anbieten, zum Erhalt der Waldbiodiversität. Auch die "Naturschutzleitlinie" von Hessen-Forst hat hierzu sinnvolle Auswahlkriterien für H.Bäume vorgegeben. Die aber wohl unser Forstamt nie gelesen hat, wenn man sich so deren oft abenteuerliche H-Bäume anschaut.
Vorzugsweise sollten hier eigentlich dicke Buchen und Eichen mit Höhlen vom Forstamt mit "H" markiert werden. Sie werden unbedingt von hiesigen streng geschützten Tierarten wie z.B. Bechsteinfledermaus, Schwarzspecht und Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer benötigt. Desweiteren natürlich ebenso von weiteren geschützten unzähligen Fledermaus- und Vogelarten z.B. Spechte und vielen Käfer- und Insektenarten.
Es handelt sich bei H-Bäumen auch oft um alte, manchmal absterbende oder tote Bäume.

Nun, die Erfahrung der letzten Jahre zeigte leider, dass das Forstamt Lampertheim geeignete H-Bäume für Holzverwertung nutzt, z.B. wie hier Ende 2016 im FFH Reliktwald Lampertheim. Was beim FSC Audit 2017 mit folgender Doku anschaulich reklamiert wurde. Aber FSC hat NICHTS davon geahndet, alles mit "Ausnahmen" entschuldigt etc.
http://www.natur-um-huettenfeld.de/FSC%20Audit%205_2017/Audit%2018.5.2017%20FSC%20zertifizierter%20FFH-Reliktwald%20Lampertheim-Rev02.pdf
Seitdem fällt das Forstamt noch skrupelloser Höhlen- und Brutbäume, zerstört weiter FFH Buchenwald für Waldumbauzwecke und übernutzt noch restlich vorhandenen intakten FFH Buchenwald bis zum bitteren Ende.
Nun ja, die allermeisten Naturschützer, die je bei einem FSC Audit mitmachten, tun das resigniert nie wieder. Hoffnungslos. Die Forstbetriebe sind nun mal zahlende Kunden von FSC-Zertifizierern. Und Naturschutz spielt nun wirklich nur eine Nebenrolle im FSC. Erstaunlich, dass dennoch NABU und BUND da weiter mit drin sind, um brav als Grünes FSC Feigenblatt zu dienen.
Wenn die Naturschutzverbände bei letztem FSC Standard-Update noch nicht mal in der Lage waren, 10 H-Bäume pro ha verbindlich festzuschreiben, wozu dann überhaupt weiter mit drin sein? Greenpeace hat das früher durchschaut, ist konsequent dann aus FSC raus.

FSC Regel "10 H-Bäume pro ha" - Umsetzung vom Forstamt Lampertheim Fehlanzeige:
Mehrere Stichproben im Viernheimer und Lampertheimer Wald ergaben, dass das Forstamt Lampertheim stets weit unter 10 H-Bäumen pro ha liegt. Es behauptete schon mehrfach nach Artenschutzverstoß-Anzeigen, dass es angeblich 6 H-Bäume pro ha in altem Baumbestand sprühen würde. Aber entsprechende Stichproben vorort nach Höhlenbaumfällungen ergaben immer weit weniger H-Bäume.
Auch hier im alten Buchenwald waren es weit weniger mit nur 3,7/ha, siehe unten.

Stellt sich die Frage als Waldnaturschützer: Wo findet man denn diese angeblich vorhandenen 6 H-Bäume pro ha im 8500 ha großen Revier Lampertheims? Wenn sie noch nicht mal in hiesigen alten Buchen-Eichenwäldern der Schutzgebiete zu finden sind... wo denn?
Gemäß Hessen-Forst Lampertheim Aussage bei letztem FSC Audit 2017 existieren "H-Baumlisten" mit Angabe der Anzahl in den entsprechenden Waldabteilungen, ohne GPS Daten.
Diese Forstamtslisten werden allerdings gemäß Forstamtsaussage nicht jährlich upgedatet. Einmal erfasst, bleiben H-Bäume immer und ewig "als vorhanden" in der Liste.
D.h., wenn so ein dünner toter "H-Baum" irgendwann mal umkippt (das passiert manchmal wenige Monate nach dem H Sprühen), dann bleibt er dennoch als "existierender" H-Baum weiter in der Forstamtsliste. Auch wenn er bereits von "Brennholzsammlern" mitverwertet wurde.
Selbstredend kann dann auch nie die vom Forstamt behauptete Anzahl stimmen.
Es wäre eine leichte Übung für den Hessen-Forstler, bei Sprühen und Eintrag in die Liste auch die GPS Daten aufzuschreiben.

Übrigens, die Hessen-Forst "H-Baum-Listen" sind ein streng gehütetes "Betriebsgeheimnis", darf keiner einsehen. Wohlgemerkt ein Staatswald-Geheimnis. Obwohl der Staatswald eigentlich dem Volk gehört, den die Forstbetriebe für uns Steuerzahler nur "pflegen" sollten.
Im Rahmen des FSC Sonderaudits Hessen-Forst Lampertheim 2017 beantragten wir teilnehmenden Naturschutz-Stakeholder eine Einsicht in die angeblich vorhandene H-Baumliste des Forstamtes. Erfolglos.  Streng geheim.

Relevante Forstdaten des Staatswaldes darf der interessierte, waldkundige Bürger von seinem "Hauswald" nicht erfahren.
Das betrifft viele interessante Forstdaten des Staatswaldes. Z.B. musste ich als ortskundiger FSC-Stakeholder sogar mal die Hessen-Forst Karte der hiesigen "Stilllegungsflächen" im Staatswald extrem mühselig und beschwerlich anfragen.
Auch hier erklärte mir das Forstamt Lampertheim spontan, die Karte mit genauer Kernflächeneinzeichnung wäre ein Betriebsgeheimnis. Erst nach entsprechender Beschwerde im Umweltministerium stellte man sie mir zur Verfügung. Traurig die gewollte Hessen-Forst Intransparenz Bürgern gegenüber.

Ebenso sind auch die Waldabteilungs-Festmeterzahlen nach erfolgten Holzeinschläge ein Betriebsgeheimnis. Muss man selbst bei Interesse vorort nachmessen und ausrechnen. Auch diese Einsicht verweigerte das Forstamt Lampertheim beim letzten FSC Sonderaudit 2017.  Warum? (ich weiß warum...)

Auch hier in Abt.122 machte ich mal einen H-Baum Check.
Waren es 6 oder 10 H-Bäume pro ha? Weder noch.
Auf 10 ha habe ich 37 gesprühte H-Bäume gezählt, also 3,7 bzw. ca. 4 H-Bäume pro ha.
Aber davon waren m.E. 50% kein H wert (siehe Fotos unten). Also wären es ja dann in Realität für die Tiere nur 2 brauchbare H-Bäume pro ha....

Bei den H-Bäumen unten auf den Fotos muß man manchmal etwas genauer hinschauen, um das kleine grüne H auf den mickrigen, dünnen Buchen zu entdecken. :-)

50% der dort gesprühten H-Bäume gehen in Ordnung, obwohl nur so 10-20% der ausgewählten 37 H-Bäume Höhlen aufwiesen.
Dagegen sah ich dort vereinzelte gut geeignete ältere Biotopbaum-Buchen mit wertvollen Höhlen, die Hessen-Forst selbstredend nicht mit H besprühte.
Schon abenteuerlich anmutend die H-Baumauswahl vom Forstamt Lampertheim. Ist wohl hierfür naturschutzfachlich inkompetetent.

Auch für Tiere wertvolle Biotopbuchen (potentiell geeignete "echte" Habitatbäume) wurden wieder mit gefällt, z.B. Beispiel Höhlenbuche mit 30 cm tiefer und 6cm Durchmeser der Höhle, siehe Foto unten.
Stattdessen hat Hessen-Forst großzügig eine ganz dünne mickrige Buche in der Nähe mit H besprüht, die für den Holzverkauf eh nix gebracht hätte.
Beispiele von gesprühter, dünner H-Bäume (15-20cm Durchmesser) ohne erkennbaren Biotopbaumwert für Tiere siehe Fotos der dünnen Nonsens H-Bäume unten.

Hier die Pressemitteilung von Greenpeace zu diesem Forstamtsfrevel, die in mehreren Lokalzeitungen veröffentlicht wurde:
https://www.mannheim-heidelberg.greenpeace.de/sites/www.mannheim-heidelberg.greenpeace.de/files/2018-03-19_pe_internationaler_tag_des_waldes.pdf

Z.B. hier veröffentlicht:
1.)
https://www.echo-online.de/lokales/bergstrasse/lampertheim/naturschutzer-kritisieren-fallungen-von-hohlenbaumen-im-lampertheimer-wald_18535770
2.)
https://www.lampertheimer-zeitung.de/lokales/bergstrasse/lampertheim/naturschutzer-kritisieren-fallungen-von-hohlenbaumen-im-lampertheimer-wald_18535770

www.natur-um-huettenfeld.de

Waldschadenskategorie
Konflikt-Wald
Schutzgebietstyp
Bannwald
Festgestellt am
So., 21.01.2018
Flächengröße in Hektar
Koordinaten
49.585467603036, 8.5908342004586,
Bürgerinitiative aktiv
Ja
Bannwald Viernheim (Staatswald) Abt.122 Einschlag mit Höhlenbuchenfällung und zu wenig gesprühten H-Bäumen

FSC zertifizierter Hessen-Forst Staatswald mit zu wenigen markierten Biotopbäumen (H-Bäume).

49.585467603036, 8.5908342004586